Selah Sue: Reason

Vier Jahre nach ihrem Debütalbum und einer exzessiven Zeit des Tourens ist Selah Sue mit ihrem zweiten Album Reason zurück, welches am 27.03. auch in Deutschland erscheint. Gewohnt gefühlvoll und musikalisch gereift!

 

Reason
Selah Sue
VÖ: 27.03.15 (Because/ Warner)

Vor vier Jahren erschien ihr Debütalbum. Die Songs des neuen Albums Reason sind durchdrungen von Energie, Licht und Emotion: Überwältigende Stücke von einer Künstlerin, die eins ist mit ihrer Gitarre und sich selbst als emotional beschreibt. So erzählt sie erneut sowohl von den Sonnen- als auch von den Schattenseiten des Lebens:

Der Erfolg hat nicht meine Wunden geheilt, sagt sie. Nichts hat sich geändert. Es ist eine Reise, ein Kampf, der mein ganzes Leben andauern wird.

Auf Reason findet Selah Sue nun zu ihrem wahren, musikalischen Ich, zwischen wallendem Elektro-Soul, verträumtem Trip-Hop und vielschichtigen House-Beats. “Diese Formel hat viele Variablen”, sagt sie. Auf ihrer Suche nach der perfekten Balance, besuchte sie zahlreiche Aufnahmestudios in Belgien, in London, auf Jamaica und in Los Angeles. Dabei standen ihr stets zwei erfahrene Produzenten zur Seite, der Däne Robin Hannibal (Little Dragon, Kendrick Lamar) und der Schwede Ludwig Göransson, bekannt für seine Arbeit mit dem Pop-Trio HAIM und dem amerikanischen Rapper Childish Gambino. Mit Letzterem schrieb Selah Sue den Song “Together”, eine leuchtende Hip-Hop-Liebeserklärung, gebettet auf urbanen Drums und punktierten Synth-Akkorden.

Matt Schwartz, der in London lebende Songwriter und DJ, der auch an “Dissolved Girl” von Massive Attack mitschrieb, komponierte und produzierte den im Trip-Hop inspirierten Song “Fear Nothing“.

Die beiden Songs “I Won’t Go for More” und “Reason” sind ein Echo der Selah Sue, so wie wir sie kennen und lieben. In beiden Stücken fusionieren die  wunderschönen Melodien ihrer Taylor Akustik-Gitarre mit den Motown Background-Vocals, den Streicher-Arrangements und der zwischen Funk, Jazz und Bossa Nova gelegenen Tempi untermalten Stimme. Auf dem verträumten “Always Home“, einer Zusammenarbeit mit ihren zwei Produzenten, beeindruckt Selah Sue durch ihre stimmliche Virtuosität. Auf einzelnen Tönen ruhend, ruft der Song das süße ‘Girl aus Ipanema’ in Erinnerung, entfliegt dann jedoch plötzlich, dem Fall trotzend, in waghalsige, harmonische Höhen.

Hört man den, vom Disco Sound der 80er Jahre inspirierten, Song “Alone”, den sie 2012 in Los Angeles schrieb, in derselben Nacht als Whitney Houston starb, so kann man sich dazu bildlich Selah Sue auf der Bühne vorstellen, mit dem unendlichen Drang ihre Gefühle zu teilen, entschlossen und unverfälscht. Wie ein Spiegelbild ruft “Sadness“, geschrieben und produziert auf Jamaica von Troy Taylor (Whitney Houston, ArethaFranklin), die große Ära der Soul-Musik hervor, mit Marvin Gaye und Diana Ross als Schutzengel. Die sinnlich-schillernde Ballade, gesungen mit der kratzigen Stimme einer schwarzen Diva, wird durch einen unerwarteten, ergreifenden Ragamuffin-Break unterbrochen, ein Schmelztiegel der Epochen und Stile, im Zentrum der Macht von “Reason”.

Dank der architektonischen Sorgfalt der Kompositionen und dem nicht ganz greifbaren Gefühl, dass sie allesamt einer Late-Night Jam-Session entspringen, bildet dieses akustische Stückwerk eine außergewöhnliche Einheit.

Ich folge stets meinen Instinkten. Ich bin zwar kein Musik-Experte, doch wenn ich einmal einen Song höre, dann kann ich ihn mit all seinen Nuancen nachsingen, auch zwanzig Jahre später noch.

Selah Sue bleibt ihrem Publikum, ihrer Band, sich selbst und ihrem unstillbaren Durst nach Musik treu und schafft es ganz nebenbei, mit schillernden Texturen, ihr Gefühl fürLicht und Dunkelheit in uns allen zu wecken. Sie geht keine Kompromisse ein, ihr Herz splitternackt, beunruhigend, bezaubernd. Bei ihr haben selbst Blumen eine Schattenseite.